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Lederpflege

Das kleine Lexikon der Lederbekleidung

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Es gibt keinen Haushalt, der nicht Lederbekleidung hätte. Zumindest Lederschuhe und Ledergürtel hat jeder. Viele haben auch Lederjacken, manche Lederhosen oder Handschuhe. Lederjacken gibt es als Trachtenjacken, Freizeitjacken oder als Motorradbekleidung.

Die wenigsten Träger dieser Lederbekleidung wissen aber etwas über die Herstellung, die Herkunft des Leders, und insbesondere bei den Alltagsproblemen ist es schwierig, kompetente Hilfe zu bekommen. Wie bekommt man einen Fleck aus dem Leder heraus? Was macht man, wenn ein Schuh abfärbt? Wie reinige ich Lederbekleidung? Mit dieser Fibel wollen wir einen Einblick in die Grundbegriffe der Lederbekleidung vermitteln und mit vielen nützlichen Tipps bei der Lösung von Lederproblemen helfen.

Das LEDERZENTRUM hat sich auf die Hilfe bei Lederproblemen spezialisiert und bietet zu allen Fragen kostenlose Informationen an. Nicht nur zum Thema Bekleidung, auch bei Möbel- und Autoledern.


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Um Lederarten zu beschreiben, wird eine Vielzahl von Fachbegriffen verwendet. Die für das Verständnis von Lederbekleidung wichtigsten Grundbegriffe werden hier erläutert:

Die Narbenseite bezeichnet bei Leder die zur Haarseite gerichtete glatte, genarbte Oberfläche. Als Fleischseite bezeichnet man die raue Rückseite des Leders. Dicke Leder wie Rindsleder werden horizontal in mehrere Schichten gespalten. Das Oberleder wird dann Narbenspalt und das Unterleder Fleischspalt genannt. Das weniger stabile und wertvolle Fleischspalt wird i.d.R. als Spaltleder bezeichnet.

Fell: Lederhändler verwenden den Begriff für alle Häute von mittelgroßen Tieren wie Kälber, Schafe oder Ziegen. Als Fellbekleidung bezeichnet man i.d.R. auch die Bekleidungen, wo das Haar noch auf dem Leder ist (z.B. Lammfellmantel, Kaninchenfelljacke, Fuchsfell).

Haut: Lederhändler verwenden den Begriff für die Haut von großen Tieren wie Rindern, Büffeln, aber auch Schweinen.

Unter der Rohhaut versteht der Gerber die abgezogene Schlachthaut ohne Behandlung und unter Leder das fertige Produkt der Gerberei.
Als Leder dürfen auch nur verarbeitete Häute bezeichnet werden, die nicht in der Verarbeitung aufgelöst oder gemahlen wurden und mit Bindemitteln verklebt und zu Bahnen verarbeitet wurden. Leder, wo eine Schichtstärke von über 0,15 mm aufgetragen wurde (Farbe mit Bindemitteln, Folie, Schaum etc.) muss als beschichtetes Leder deklariert werden. Beträgt die Schichtstärke mehr als 1/3 der Gesamtdicke, darf das Material nicht mehr als Leder bezeichnet werden.

Mit Glattleder bezeichnet man alle Lederarten, deren Narbenseite nach außen verarbeitet ist, unabhängig von der Stärke der natürlichen Narbung des Tieres. Kalbsleder haben eine sehr flache Narbung, Krokodilleder eine sehr starke Narbung. Die Oberseite ist aber immer ein "Glattleder".

Manche Leder werden geprägt. Auf die Originalnarbe des Leders wird dann eine neue Narbung mit Druck eingepresst. Auf ein Lamm- oder Rindsleder kann so die Narbung von Krokodil- oder Straußenleder aufgetragen werden. Selbst Experten tun sich häufig schwer, diese Prägung zu erkennen.

Nappaleder oder Glattleder ist eine Allgemeinbezeichnung für Glattleder, die ungeschliffen mit der Narbenseite nach außen verarbeitet werden. Nappaleder bezeichnete ursprünglich butterweiches, glattes Handschuhleder. Anilin- und pigmentierte Leder sind Glatt- oder Nappaleder.

Anilinleder sind offenporige Glattleder ohne Pigmentschicht (Farbschicht) auf der Oberseite. Bei Anilinledern dringt ein auf der Oberfläche verriebener Wassertropfen in das Glattleder ein und dunkelt den feuchten Bereich.

Nappalanleder sind Leder, bei denen eine dünne Farbschicht auf ein Rauleder aufgetragen wurde. Solche Leder sind dann sehr weich, aber die dünne Farbschicht auch sehr abriebempfindlich.

Rauleder ist eine Sammelbezeichnung für Leder mit mehr oder weniger aufgerauter Oberfläche. Nubuk- und Veloursleder sind Raulederarten.

Nubukleder ist ein festes, narbenseitig angeschliffenes Leder. Durch das Schleifen erhält das vorherige Glattleder eine samtige Oberfläche. Die rauen Fasern sind kürzer und samtartiger als bei Veloursledern. Nubuk wird aus Rind (am häufigsten), Schaf oder Ziege hergestellt.

Als Veloursleder bezeichnet man die Rückseiten (Fleischseite) von Glattledern oder die beiden Seiten eines Fleischspaltes. Suede ist eine andere Bezeichnung für Veloursleder.
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Pelzvelours ist ein auf der Außenseite geschliffenes Schaf- oder Lammfell, bei dem die Wollseite innen verarbeitet ist und das daher besonders gut wärmt.

Sämischleder entstehen durch Trangerbung (Gerbung mit Tran oder Fischöl). Für diese Gerbart werden i.d.R. die Rauleder von Ziegen, Schafen, Rentieren, Hirschen oder Rehen verwendet. Das Leder ist als Fensterleder oder Trachtenleder bekannt. Bei Trachtenledern wird das gelbliche Leder i.d.R. mit einer grünlichen oder manchmal bräunlichen Oberflächenfärbung versehen.

Wildleder ist die Sammelbezeichnung für Leder von Tieren, die in der freien Wildbahn leben (z. B. Hirsche, Rehe oder Elche). Der Begriff wird aber auch häufig für die Beschreibung von Rauledern verwendet.

Als Leder-Textil-Mix bezeichnet man Lederbekleidung, wo auf der Außenseite der Bekleidung Leder mit Stoff kombiniert wird.

Bei Kunstledern wird das Obermaterial gelegentlich als "Kunstleder", "Skai", "Pelliccia artificiale" oder "Piel artificial" bezeichnet. Meist tauchen aber Kennzeichnungen wie "Polyamid" oder "Polyester" und ähnliches auf. Kunstfelle werden auch als "Artificial fur" oder "Fourrure artificielle" gekennzeichnet.

Bei den Futterstoffen werden meist Polyamid, Acetat, Viskose oder Polyester verarbeitet.

Unter „Lickern“ versteht man die Rückfettung der Bekleidungsleder im Gerbprozess und nach der chemischen Reinigung. "Walken“ ist das durch Bewegung in einer Trommel bewirkte Aufweichen von Ledern.

Die Hauptgerbarten sind die Chromgerbung (fast alle Bekleidungsleder und Schuhoberleder), die Pflanzengerbung (i.d.R. Gürtel, Sohlenleder, Reitleder), die synthetische Gerbung und die Trangerbung (z. B. Fensterleder, Trachtenleder). Häufig werden verschiedene Gerbarten kombiniert, um bestimmte Eigenschaften des Endprodukts zu erreichen, z. B. die synthetische Gerbung mit der Chrom- oder Pflanzengerbung.

"Durchgefärbte" Leder werden nach der Gerbung in einem Anilinfarbstoff in einem Bad wie Textilien eingefärbt. Der Farbstoff ist wie eine Tinte oder Beize bei Holz. Der Farbstoff geht durch und durch. Bunte Rauleder und offenporige Glattleder sind immer so gefärbt.

Um Leder strapazierfähiger und vor allen Dingen fleckenunempfindlich und dauerhaft wasserabweisend zu machen, wird auf diese mit Anilinfarben schon vorgefärbte Glattleder noch eine auf Pigmente und Bindemittel basierende deckende Farbschicht aufgetragen. Diese Farbschicht nennt man auch Kopffärbung, Zurichtung oder Pigmentierung. Glatte Motorradleder, aber auch viele Freizeitjacken, Schuhe und Taschen aus Glattleder haben diese zusätzliche Farbschicht.

Auf diese Farbschicht wird dann noch der Top Coat, eine Art Klarlack aufgetragen. Der Top Coat schützt die Bindemittelfarbe vor Abrieb und Abfärbung und bestimmt den Glanzgrad und den Griff.

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Pigmentierte Leder / Anilinleder

Bild eins zeigt einen Tropfen Wasser auf einem pigmentierten Rindsleder. Der Tropfen zieht nicht ein. Daneben sieht man, wie ein Tropfen Wasser in ein offenporiges Rindsleder einzieht. Beim Anilinleder sind auch gut die Haarkanäle erkennbar, die beim pigmentierten Leder durch Farbe abgedeckt sind.

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Schweinsleder, Spaltvelours, Nubuk

Bild 1 zeigt ein glattes Schweinsleder, Bild 2 ein Schweinsvelours. Charakteristisch für dieses Leder sind die gut erkennbaren Haarkanäle, die selbst beim Veloursleder sichtbar bleiben.

Bild 3 zeigt den unteren Teil einer in der Mitte horizontal gespalteten Rinderhaut. Es wird als Spaltvelours bezeichnet und ist auf beiden Seiten gleich.

Bild 4 zeigt ein auf der Narbenseite geschliffenes Rindsleder. Die Narbe ist noch erkennbar, aber man kann eine velourige Strichrichtung erkennen.


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Prägungen auf Leder

Das erste Bild zeigt die Naturnarbe vom Lammleder. Die weiteren Bilder zeigen diverse Modeprägungen auf Lammleder für Bekleidung.


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