PH-Wert

Aus Lederzentrum Lederlexikon

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Der pH-Wert (lat.: potentia Hydrogenii, "Kraft des Wasserstoffs") eines Stoffes bezeichnet in zehnerlogarithmischen Abständen, wie sauer bzw. basisch dieser Stoff ist. Destilliertes Wasser ist mit einem pH-Wert von 7 definiert, so dass - im Vergleich - ein Stoff mit pH-Wert 8 (wie Meerwasser) zehnmal basischer ist und ein Stoff mit pH-Wert 5 (z. B. Kaffee) einhundertmal saurer ist. Cola hat einen pH-Wert von 2 und ist damit hunderttausendmal saurer als destilliertes Wasser.

In der Lederherstellung und Lederpflege ist der pH-Wert dahingehend von Bedeutung, dass durch die Gerbung im Leder grundsätzlich ein saures Milieu mit einem pH-Wert von ca. 4,5 bis 5,5 erzeugt wird. Dieser pH-Wert sorgt mitunter dafür, dass die im Leder gebundenen Fett- und Gerbstoffe gehalten werden.

Mit der Alterung des Leders verschiebt sich das Säure-Basen-Verhältnis allerdings ins Alkalische (über pH 7), was das Leder instabil macht. Das Leder dunkelt, wird hart und brüchig. Die Verschiebung erfolgt durch Alter, Luftfeuchtigkeit und Sonne, aber auch durch Schweiß (Haut-, Haarkontakt bei Autos und Möbeln, Schweiß durch Füße in Schuhen (täglich zwischen 100-200 ml), Hände in Handschuhen oder "Speckkragen" bei Jacken).

Typische Schäden durch Haut- und Haarkontakt bei Möbelledern (Kopfteile und Armlehnen)

 

Auch Lenkräder reagieren mit der Zeit auf Handschweiß. Durch die pH-Verschiebung wird das Leder auch anfälliger für Schimmelbefall

 

Durch Hautkontakt geschädigte Auto-Armlehnen, ein Schaltknauf und eine Buskopfstütze

 


Ein weiterer Grund sind alkalische Reiniger. Die meisten Haushaltsreiniger sind alkalisch, weil dann problemlos eine gute Reinigungswirkung entsteht. Lederreiniger sollten aber nicht alkalisch sein, was technisch auch möglich ist, aber nicht von allen Herstellern beachtet wird.

Auch die Pflegemittel sollten idealerweise den sauren Zustand wiederherstellen bzw. aufrechterhalten. Gerade bei Schimmelbefall an Altledern eignet sich beispielsweise Essigessenz als pH-Regulator zur Entfernung und Vorbeugung vorzüglich. Auch bei der generellen Altlederrestauration ist eine Rücksäuerung ebenso wichtig wie eine Rückfettung, um das Leder wieder resistenter gegen Umwelteinflüsse zu machen.

Gleichwohl gibt es natürlich auch eine Grenze, wieviel Säure ein Leder verträgt. Ein gelegentlich in Bibliotheken zu beobachtender, charakteristischer Säureschaden an Bucheinbänden ist etwa der Rote Zerfall, wenn Schwefeldioxid aus der Luft im Leder zu Schwefelsäure reagiert, die den Einband irreparabel zerfrisst. Schwefelsäure ist allerdings auch eine der stärksten Säuren und untertrifft den für Leder maximal verträglichen pH-Wert von 3,5 bei weitem.


Durchschnittliche pH-Beispielwerte
(Quelle: Wikipedia, Lizenz: GFDL)
Substanz pH-Wert Art
Batteriesäure <0 sauer
Magensäure (nüchterner Magen) 1,0–1,5
Zitronensaft 2,4
Cola 2–3
Fruchtsaft der Schattenmorelle 2,7
Essig 2,9
Orangen- und Apfelsaft 3,5
Wein 4,0
Saure Milch 4,5
Bier 4,5–5,0
Saurer Regen < 5,0
Kaffee 5,0
Tee 5,5
Regen (natürlicher Niederschlag) 5,6
Mineralwasser 6,0
Milch 6,5
Wasser (je nach Härte) 6,0–8,5 sauer bis basisch
Menschlicher Speichel 6,5–7,4
Blut 7,4 basisch
Meerwasser 7,5–8,4
Pankreassaft (Darmsaft) 8,3
Seife 9,0–10,0
Haushalts-Ammoniak 11,5
Bleichmittel 12,5
Beton 12,6
Natronlauge (Ätznatron) 13,5–15

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