Oldtimer Praxis 06/99 und Sonderheft 33/04 - Seite 2

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Nach diesem Einweichen können die Oberhaut mit den Haaren und die Unterhaut mechanisch abgetragen werden. Die gewonnene so genannte Blöße wird durch Enzyme im Fasergeflecht aufgelockert, so können die Gerbstoffe besser wirken. Diese lagern sich an den Eiweißkörpern der Fasern an und verflechten sie fest miteinander, indem sie lange Molekülketten bilden. Die Häute verlieren dadurch ihre Quellfähigkeit und werden resistent gegen Fäulnis. Einige der beim Gerben zugeführten Stoffe werden auch Antioxidantien genannt. In der Zurichtung schließlich wird das Leder je nach Einsatzzweck gefärbt, geschliffen, gefettet oder auch gepresst. Bei Bedarf wird es sogar mit einer künstlichen Narbung geprägt.
 
Viele Arbeitsschritte sind also nötig, um überhaupt Leder zu erhalten. Würde man die Häute nicht gerben, so wären sie etwa innerhalb eines Jahres vollständig verrottet. Die Antioxidantien zögern den Verfall erheblich hinaus. Der Verfall des Leders wird aber durch verschiedene Einflüsse wie Feuchtigkeit, Hitze, Sonneneinstrahlung und natürlich durch mechanischen Abrieb beschleunigt. Auch biochemische Prozesse tragen ihren Teil bei. Beispielsweise durch das menschliche Hautfett, mit dem nahezu jedes Leder mehr oder weniger intensiv in Kontakt kommt, werden die beim Gerben zugeführten Stoffe regelrecht verbraucht.
 
Richtige Lederpflege besteht also immer aus mehreren Komponenten: Wo nötig, muss es vor Feuchtigkeit geschützt werden, UV-Strahlung muss abgehalten und fehlende Antioxidantien müssen ergänzt werden. Darüber hinaus bedürfen verschlissene Oberflächen und ausgebleichte Farben einer Behandlung. Und spätestens jetzt wird wohl jeder erkennen, dass es mit Geheimrezepten wie Nivea-Creme, Kondensmilch oder schwarzem Tee wohl kaum getan sein kann! Lachen Sie nicht, genau auf mit solchen und ähnlichen Mitteln behandeltes Leder stößt die Göttinger Werkstatt immer wieder. Vielleicht riecht Ihr Oldie ja deshalb ein wenig ranzig, weil der Vorbesitzer das Leder mit Sahne behandelt hat... Unbedingt vermeiden sollten Sie auch silikonhaltige Produkte. Die mögen auf Kunststoffen wirken, bringen bei Leder aber nur eine schnelle optische Verbesserung und keinerlei Pflege.
 
Steigen wir also in die professionelle Lederpflege ein. Als erstes Testobjekt haben wir einen hellen Fahrersitz aus einem Aston Martin gewählt. Das Leder ist gut erhalten und normal verschmutzt, zeigt aber einige Brüche in der Oberfläche, die auf mangelnde Pflege in der Vergangenheit schließen lassen. Zunächst saugten wir den Sitz gründlich ab, besonderes Augenmerk muss dabei auf versteckten Schmutz, beispielsweise zwischen Kedern und Leder gerichtet werden. Die Reinigung ist auch mit Druckluft und einer Ausblaspistole möglich. Auch kleinste Sandkörnchen oder Steine, die leicht zu Kratzern in der Oberfläche führen könnten, werden so entfernt.
 
Lederpflege

Das Pflegeset kostet 25,50 Euro und beinhaltet einen Reiniger, wahlweise "mild" oder "stark", den Protector zur Konservierung und zwei kleine Schwämmchen.

Lederpflege

Etwas Reinigungsschaum auf einen Schwamm ...

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